Gran Canaria
Paradies im Dauerbetrieb

Das Verhältnis von Touristen zu Einwohnern liegt auf Gran Canaria bei drei zu eins.
3 Millionen Sonnenhungrige landen jedes Jahr auf dieser Insel, darunter: Skandinavier, Engländer und wie ich - auch Deutsche. 

Eine Freundin, die jedes Jahr viele Wochen auf den Kanaren verbringt, hat mich in ihr Apartment eingeladen. Italien und Kultur wäre mir sehr recht, aber noch lieber ist mir ein Urlaub in heiterer Gesellschaft. Daher mache ich keinen kulturellen Solotrip, sondern fliege in die sonnige Heiterkeit. 

Für mich ist dieser Urlaub wie ein Urlaub in Deutschland. Ich spreche deutsch: mit meiner Freundin, dem spanischen Kellner und der spanischen Souvenir-Verkäuferin. Wie in Deutschland gibt es hier jede Menge Pizza- oder Schnitzel-Restaurants, die Speisekarten muss keiner übersetzen, im Supermarkt liegt das Brot aus der Heimat.

Was es in Deutschland nicht gibt: konstanter Sonnenschein bei mindestens 20 Grad. Las Palmas – die Hauptstadt – ist angeblich die Stadt mit dem weltbesten Klima: nie zu heiß oder zu kalt. Kolumbus war auch mal da. Er kam nicht wegen weltbestes Klima und deutschem Schnitzel, Kolumbus war auf Durchreise.

An dem Museum, in dem man noch mehr über Kolumbus in Erfahrung bringen könnte, laufen meine Freundin und ich vorbei – wie die anderen. Nach Gran Canaria fährt man nicht wegen der Museen. Nach Gran Canaria fährt man wegen der Sonne. Ich habe sehr lange überlegt, was ich dort wohl unternehmen könnte. Nun mache ich es wie alle: Ich sitze in der Sonne. Wenn es zu heiß wird, wechsle ich in den Schatten. Wenn es zu langweilig wird, begebe ich mich ins Meer. Wenn es mir dort zu kalt oder langweilig ist, gehe ich zurück in die Sonne. Jedes Hotel und jede Ferienanlage hat einen Swimmingpool. Zu dieser Jahreszeit ist niemand im Wasser. Ich schon. Nach zehn Minuten angestrengtem Frieren im eisblauen Pool liege ich dann wieder in der Sonne.

Nach dem Sonnen gehen wir in die Shoppingmall. Diese ist menschenleer. Die meisten Touristen sitzen draußen und sehen sich Sonnenuntergang oder Fußball auf Flatscreen vor Sonnenuntergang an. Beliebt ist auch der Spaziergang auf der sonnengefluteten Strandpromenade.

Auf der Suche nach abendlichem Amusement landen wir in einem Hotel mit Tanzfläche und flotter Schlagermusik. Ich senke das Durchschnittsalter deutlich. Grauhaarige wackeln aufgeföhnt über das Parkett. Die bronzierten Falten knittern im Schummerlicht, weiße neue Gebisse wohin das Auge blickt.

Meine Freundin schunkelt sich ein. Sie sagt, die Musik ist ihr egal, wichtig ist der Spaß. Sie schickt mir ihren Bekannten zum Tanzen. Nüchtern und mit La Paloma im Hintergrund erscheint mir der Mann vor allem unattraktiv. Ich winke ab und suche rasch den Weg in die Dunkelheit.

Die nächsten Tage dann wieder Sonne, Meer, Sonne. Mit meiner Freundin aber war es sehr heiter.

Weitere unterhaltsame Texte von mir findest Du hier.