Nur eine von fünf Personen hält ihr Gewicht
Welche Strategie ist erfolgreich?

Nur einer von fünf Menschen, die eine Diät machen, kann das neu erreichte Gewicht dauerhaft halten. Die Mehrheit nimmt wieder zu.

Ein Jahr lang stelle ich mich regelmäßig auf die Waage, um mein Gewicht im Blick zu behalten. Ein Jahr lang schwankt die Zahl um maximal zwei Kilogramm. Doch kaum ist das Jahr vorbei, steigt sie stetig an – obwohl ich weiterhin regelmäßig Sport treibe, morgens proteinhaltigen Magerquark unters Müsli rühre und meine Glucose-„Events“ streng limitiere. Warum?

Dank der App „FatSecret“ – die wirklich so heißt und gnadenlos jede überflüssige Kalorie auflistet – weiß ich jetzt: Es liegt am Fett. Ich esse zu viel davon. Und vor allem: zu viel vom falschen. Käse, Butter und Schoko-Croissants treiben nicht nur den Cholesterinspiegel, sondern auch mein Gewicht in die Höhe.

Ich sehe es überall sehr deutlich: auf S-Bahnsteigen, in Einkaufszentren, auf der Straße: Bierbäuche, hängendes Fettgewebe, auch Kinder, die breiter als hoch erscheinen. In meinem Freundeskreis gibt es bereits diejenigen mit Übergewicht und erstem Herzinfarkt, andere mit Arthrose und Bluthochdruck. Ich will das nicht. Keine Arthrose, kein Bluthochdruck, und schon gar nicht Herzinfarkt aufgrund der Käsebrote.

Also starte ich. Die App zählt meine Fetteinheiten. Andere Nutzer:innen – mit Namen wie „Moppelchen“, „Budderbrezel“ oder „Kecksi“ – sind ebenfalls dabei. Erstaunlich, wie wenig ich essen darf, um mein Gewicht überhaupt zu halten – vom Abnehmen ganz zu schweigen. Mein Kühlschrank sieht inzwischen anders aus: proteinreiche Lebensmittel, viel Gemüse. Die Butterdose bleibt leer.

Körniger Frischkäse, Magerquark, Fisch – für die nächsten Wochen. Am besten für den Rest meines Lebens.

In der App-Community gibt es alles: die Frau die von 54 auf 40 Kilogramm runter will – ein Ziel, das für mich eher nach Magersucht als nach Gesundheit klingt. Die Superathleten – Männer die ihr Erscheinungsbild optimieren und Muskelmasse aufbauen wollen und auch viele mit über 100 Kilo, die kämpfen gegen ihre Adipositas.

Am Abend von Tag fünf überkommt mich die Lust auf eine Butterbreze. REWE hat bis Mitternacht offen – wie gemacht für alle Suchtvarianten. Ich fahre hin. Wenn ich schon mal da bin, kann ich auch gleich ein paar Schoko-Croissants mitnehmen. Und die Quattro-Formaggi-Pizza. Und das 6er-Pack Snickers Ice Cream – mit Sahne, Butterreinfett und Palmfett. Eine erstaunlich köstliche Kombination.

Von diesem nächtlichen Event mache ich weder Fotos noch eine Notiz. Sollen „Moppelchen“ und Co. ruhig rechnen – von grünem Gemüse allein nimmt niemand zwei Kilo zu. Und anders als viele andere habe ich keine Entschuldigung. Keine Medikamente, kein stressiger Job. Mich überkam schlicht die Lust. Lust auf Fett. Lust auf Zucker. Mein Gehirn jubelt, die Laune steigt.

Bis zum nächsten Morgen. Auf der Waage: zwei Kilo mehr – über Nacht.

Ich starte neu. Gemüse, Salat, Fisch – und immer schön fettarm. Ich bleibe dran. Denn ich will dazugehören – zu den 20 Prozent, die ihr Gewicht dauerhaft halten.

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