Im Dunkeln
Katastrophenschutz unter der Lupe

In einem der besten Viertel Berlins bleibt es vier Tage lang dunkel. Weder Strom noch Handyempfang, kein Internet und kalte Heizungen. Vier Tage Offline. Aufgrund eines Brandanschlags fällt das Stromnetz aus, die Notstromaggregate versagen gleich mit. Diese ist eine der Situationen, vor denen das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe – kurz BBK – warnt. Und: Das wäre noch nicht einmal das Schlimmste.

Ich glaube, das Schlimmste wäre Atomstrahlung. Das BBK rät generell zur Vorsorge, zur Vorsorge für zehn Tage. In meinem Haushalt halte ich drei Tage durch, ich habe keine Vorräte und frage mich: Was passiert eigentlich bei einem Atomunfall? Ist es dann wirklich hilfreich, Vorräte für zehn Tage im Haus zu haben?

Das BBK sagt bei Atomunfall sind Lebensmittelvorräte sehr sinnvoll. Zum Thema Atomunfall und Wasser schreiben sie auf ihrer Website:
Beim Leitungswasser brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Es wird kontrolliert und bei radioaktiver Verschmutzung nicht in die Trinkwasserversorgung eingespeist.

Wenn sie jetzt schon in Zehlendorf Probleme haben, das Stromnetz aufrechtzuerhalten, dann klappt es auf jeden Fall beim Wasser?

Wozu benötige ich die empfohlenen Trinkwasservorräte, wenn nicht bei Atomstrahlung?
Das BBK erklärt: … wenn bei einem großflächigen Stromausfall die Supermärkte geschlossen bleiben und kein Trinkwasser mehr aus dem Wasserhahn kommt.

Aktuell war das nicht so: kein Strom, aber geöffnete Supermärkte und Wasser aus der Leitung. Mir bleibt es unklar - ich bestelle dennoch direkt zwanzig Liter Wasser. Auf YouTube finde ich die Erklärung: Wasser kommt aus Tiefbehältern und muß nach oben gepumpt werden, die Pumpen benötigen Strom. Wasser aus Hochbehältern wäre unproblematisch, Hochbehälter sind allerdings teuer und daher kaum verbaut. Am Anfang eines Blackouts gibt es meist noch Wasser, vor allem in den unteren Wohnetagen. Ich wohne im dritten Stock, meine Entscheidung war richtig.

Im Falle eines Krieges gehe ich anders vor. Bei Krieg nehme ich den wie vom BBK empfohlenen gepackten Fluchtrucksack und eile – wohin eigentlich? „Nach Spanien“, sagt eine Freundin, die den nächsten Weltkrieg gedanklich schon mehrfach durchgespielt hat. Sie wäre dann längst mit dem Auto über alle Berge. Ich müsste mir erst einmal ein Auto besorgen. Im Kriegsfall bleibe ich also zu Hause. Zehn Tage lang. Danach gibt es auf jeden Fall eine Lösung. Laut dem Plan des BBK.

Für den nächsten realistischeren Ernstfall – sagen wir: Stromausfall – sorge ich nun trotzdem vor. Zündhölzer, Kerzen und ein Feuerzeug. Licht im Dunkeln: erledigt. Eine neu gekaufte Powerbank verschafft mir bis zu zwei Tage Handy-Akku, falls das Netz nicht gleich mit ausfällt. Falls doch, brauche ich ein Handkurbelradio.

Niemand, den ich kenne, besitzt ein Handkurbelradio. Die erste Freundin, die ich frage, hat keines – kauft sich nach unserem Gespräch aber sofort eines. Ein anderer Freund hat immerhin ein batteriebetriebenes Radio. Die entscheidende Frage bleibt: Würde ich ihn erreichen? Wenn die Kommunikation weiterhin so zuverlässig funktioniert wie bisher, wohl eher nicht.

Lebensmittel für zehn Tage habe ich nun jedenfalls: Wasser, Konservendosen und Knäckebrot. In meinem Kühlschrank lagern zusätzlich fünf Liter Milch für mein Müsli. Falls die Welt untergeht, ich frühstücke ballaststoffreich.

Meine wichtigsten Dokumente scanne ich ein und speichere alles auf einem USB-Stick. Der wandert zusammen mit allem anderen in den Notfallrucksack.

Angeblich soll mir das ein gutes Gefühl geben, vorgesorgt zu haben. Stattdessen aber warte ich nun irgendwie auf den Notfall. Sobald die Sirenen heulen, springe ich auf, renne in blinder Panik aus dem Haus, vergesse dabei den Fluchtrucksack – und schließe mich einer Gruppe an, die dann hoffentlich ein Handkurbelradio besitzt.

Checkliste vom BBK
Aufschlussreiches zum Thema "Krisenvorsorge beim Blackout"