Was kostet der Alltag?
Eine Geschichte mit durchschnittlichen Konsumausgaben (Jahr 2023)
Sabine Müller wohnt im Westen der Republik. Sie arbeitet in einer Festanstellung und lebt allein in ihrer Mietwohnung. Wie die Hälfte der Deutschen verdient sie 2.100,- Euro Netto im Monat. Als Frau vermutlich etwas weniger. Für ihre Miete bezahlt sie von ihrem Gehalt aktuell knapp 800,- Euro ohne Energiekosten. Die Miete ist nach Steuern und Versicherungen der höchste Posten der Ausgaben.
Jedes Jahr fährt sie in den Urlaub. Nach Lanzarote, Italien oder in den Bayerischen Wald. In Lanzarote bleibt sie wie die anderen 10-14 Tage, das ist ihr Haupturlaub.
Der Urlaub kostet Sabine zwischen 1.000,- bis 3.000,- Euro. Von Fernreisen nimmt Sabine eher Abstand. Nur jeder fünfte reist in die Ferne und verbraucht dann mehr als 3.000,- Euro pro Person.
10 Tage Japan kosteten mich 2.800,- Euro, damit bin ich im Vergleich sehr sparsam.
Apropos sparen: Sabine spart max 11% pro Jahr. Das Geld liegt auf der Bank und in den diversen Riester Verträgen und Lebensversicherungen, die man ihr verkaufte. Nur jeder fünfte Deutsche investiert in Aktien oder Fonds, Sabine definitiv nicht.
Ich aktuell schon und ich habe auch eine von diesen enorm schlecht verzinsten Lebensversicherungen. Meine Sparquote war in meinen besten Zeiten aber viermal so hoch.
Im Gegensatz zu ihrem ebenfalls allein wohnenden Nachbarn Thomas Meier, der es beim Auto und im Urlaub (1.800,- Euro) gern krachen lässt, spart Sabine monatlich bei ihren Autokosten. Dieses Geld geht aber nicht in den Riestervertrag, denn als Frau muss Sabine optisch beeindrucken, um irgendwann Thomas zu heiraten. Das verschafft beiden eine günstige Miete und Sabine in der Regel eine bessere Rentenerwartung.
Daher investiert sie je nach Einkommen deutlich mehr als Thomas in ihre Kleidung. Ich orientiere mich nun an Sabine, ich hatte schon mehr als Sabine für Kleidung ausgegeben, aber werde das wirklich nicht mehr machen - wem will ich vom Home Office aus imponieren?
Sabine liest wie ich pro Monat ein Buch. Das ist enorm viel verglichen mit der alleinlebenden Selbständigen Petra Schmidt, die ihr Bildungsbudget ausschliesslich in ihre Mietwohnung steckt.
Pro Monat benötigen sowohl Sabine als auch Thomas laut den Statistischen Ämtern von Bund und Land ca 200- 250 € für Lebensmittel. Im Gegensatz zu mir essen beide auf jeden Fall Fleisch - ca 53kg im Jahr - bei Lidl, ALDI oder Penny gekauft. Dort kaufen fast alle Deutschen ein. Ich nicht, ich lasse aktuell von REWE liefern. Dadurch ergibt sich für mich eine radikale Kostenkontrolle, die ich nun ausprobiert habe. Es ist ausgesprochen schwierig, aber möglich wenn ich nur die Eigenmarken „REWE Bio“ und „JA“ kaufe dann klappt es mit 8,- Euro am Tag.
Sabine Müller und Thomas Meier würde ich gern mal kennenlernen, was kochen sie? Fertigpizza, Nudeln? Und was mich auch brennend interessiert: Wenn die beiden 45 Jahre gearbeitet haben, erwartet sie eine Rente in Höhe von maximal Brutto: 1.800,- für Thomas und das nur, falls er in Nordrhein-Westfalen lebt. Sabine bekommt Brutto: 1.200,- im Westen bzw. etwas mehr würde sie im Osten leben. Sabine mit Lebenshaltungskosten von ca 1.900 €/ Monat muss spätestens dann auf jeden Fall zu Thomas nach Nordrhein-Westfalen ziehen, anders kann sie ihr Leben nicht bezahlen. Alternativ hat sie einen Mann mit höherem Bildungsabschluss oder Immobilienbesitz gefunden. Falls sie die Differenz tatsächlich wie von diversen Politikern gefordert, gespart und angelegt hätte, könnte sie nach zb 20 Jahren eine erstaunliche Summe erreicht haben: 184 000 Euro bei 4% Zins. 4% hat Sabine aber nicht, weil Riester oder Lebensversicherung oder Bankguthaben, wie fast alle Sabines. Und auch wenn sie das Geld gespart hätte: mit einer lebenslänglichen Entnahmemöglichkeit wäre das inflationsbereinigt zuwenig um die Lücke zwischen Rente und Lebenshaltungskosten zu schließen.
Fazit: für die Sabines in Deutschland ist die Ehe eine sehr gute Lösung, wenn man die beiden durchschnittlichen deutschen Alleinlebenden finanziell betrachtet.
Destatis Liste der durchschnittlichen Konsumausgaben im Jahr 2023